Muskelerhalt beim Abnehmen: Was Krafttraining wirklich bewirkt

MuskelerhaltKrafttrainingAbnehmen
Kurzhanteln und Widerstandsband auf Holztisch als Symbol für Krafttraining beim Abnehmen
Krafttraining schützt die Muskelmasse während einer Gewichtsreduktion.

Zwei Krafteinheiten pro Woche, je zwei bis drei Sätze pro Muskelgruppe: Das ist der Mindestumfang, mit dem sich Muskelmasse im Kaloriendefizit halten lässt. Weniger reicht in der Regel nicht. Dazu gehören 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich, sonst verpufft ein großer Teil des Trainingsreizes. Erste messbare Veränderungen an der Körperzusammensetzung zeigen sich nach acht bis zwölf Wochen. Der Grund für diesen Aufwand ist körperlich. Ein Kaloriendefizit zwingt den Körper, Energie aus seinen Reserven zu ziehen, und er greift nicht nur auf Fettdepots zurück. Muskeleiweiß wird ebenfalls abgebaut, und wie stark das passiert, ist ab etwa 45 keine Kleinigkeit. Der hormonelle Wandel in den Wechseljahren bringt Nebenwirkungen mit sich, die den Muskelerhalt zusätzlich erschweren, und er läuft dabei still im Hintergrund.

Inhaltsübersicht
  1. Warum Abnehmen Muskeln kostet
  2. Was Krafttraining beim Abnehmen bewirkt
  3. Ausdauer oder Krafttraining: Was ist sinnvoller?
  4. Ernährung: Protein als entscheidende Stellschraube
  5. Besonderheiten bei GLP-1-gestützter Gewichtsreduktion
  6. Wie oft und wie intensiv trainieren?

Warum Abnehmen Muskeln kostet

Muskelmasse verbrennt in Ruhe Kalorien. Wer Muskeln verliert, senkt damit seinen Grundumsatz. Und ein gesunkener Grundumsatz erklärt, warum die Waage irgendwann aufhört, sich zu bewegen, obwohl die Kalorienzufuhr gleich geblieben ist. Dieser Stillstand hat eine körperliche Ursache, keinen fehlenden Willen.

Das Tückische: Wird das Kaloriendefizit zu groß oder die Proteinzufuhr zu knapp, baut der Körper Muskeln ab, während gleichzeitig Fett schwindet. Auf der Waage sieht das zunächst nach Fortschritt aus. Erst nach einigen Wochen zeigt sich, was still passiert ist. Der Grundumsatz ist gesunken, das Gewicht bewegt sich kaum noch, und der Frust über ausbleibende Ergebnisse beginnt, obwohl man doch alles richtig gemacht hat.

Ab etwa 45 laufen dabei zwei Prozesse parallel. Der altersbedingte Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft setzt bereits im mittleren Lebensalter ein; bei ausgeprägtem Verlust sprechen Fachleute von Sarkopenie. Bei Frauen fällt in den Wechseljahren zusätzlich der Östrogenspiegel, was diesen Vorgang beschleunigt, weil Östrogen unter anderem an der Proteinsynthese beteiligt ist. Wer dann ohne Krafttraining abnimmt, riskiert einen deutlich stärkeren Muskelverlust als in jüngeren Jahren.

Was Krafttraining beim Abnehmen bewirkt

Studien zeigen konsistent: Wer während einer Gewichtsreduktion Krafttraining macht, verliert weniger Muskelmasse als ohne, selbst bei gleichem Kaloriendefizit. Das Signal, das dieser Reiz an den Körper sendet, lautet sinngemäß: Dieses Gewebe wird gebraucht, also behalte es.

Spazierengehen tut der kardiovaskulären Fitness gut. Aber den mechanischen Reiz, den Muskeln zum Erhalt brauchen, liefert es schlicht nicht. Wer mit Geräten oder freien Gewichten trainiert, setzt einen anderen Impuls, der Muskel bleibt funktionell relevant. Dazu kommt, was häufig überschätzt wird, aber trotzdem messbar ist: Der Sauerstoffverbrauch bleibt nach dem Training für mehrere Stunden erhöht, was den Gesamtenergieverbrauch des Tages beeinflusst. Für diesen Nachbrenneffekt braucht es das Gewicht in der Hand. Ein Teller Sauerkraut ersetzt diesen Reiz nicht. Im Vergleich der Trainingsformen zeigt sich der Unterschied deutlich.

Proteinreiche Lebensmittel: Eier, Skyr und Linsen auf Holzfläche für den Muskelerhalt beim Abnehmen
Ausreichend Protein ist eine der wichtigsten Stellschrauben beim Muskelerhalt.

Ausdauer oder Krafttraining: Was ist sinnvoller?

Ausdauertraining erhöht den Kalorienverbrauch während der Einheit und verbessert die kardiovaskuläre Fitness. Beides sind relevante Ziele. Beim Muskelerhalt aber ist Ausdauertraining kein gleichwertiger Ersatz für Krafttraining. Studien, die beide Formen in Kaloriendefizit-Kontexten verglichen haben, zeigen einen besseren Muskelerhalt bei Krafttraining oder kombinierten Programmen als bei reinem Ausdauertraining.

Zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche, kombiniert mit moderatem Ausdauertraining an weiteren Tagen, gilt für die meisten ab 45 als praktikable Grundlage. Ob das gleichzeitig in dieser Vollständigkeit umsetzbar ist, hängt aber stark von der Ausgangssituation ab. Nicht jede Ausgangssituation lässt beides realistisch zu. Welche Belastungsform bei individuellen Voraussetzungen sinnvoll ist, besonders wenn Gelenkprobleme oder Bluthochdruck eine Rolle spielen, kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt einschätzen. Auch die Frage, ob Sport an Tagen mit oder ohne Kalorienzufuhr eingeplant wird, lässt sich dort besprechen.

Gut zu wissen

Krafttraining bei Übergewicht ist möglich, erfordert aber eine schrittweise Heranführung. Gelenke und Herz-Kreislauf-System sollten ärztlich abgeklärt sein, bevor intensive Belastungen begonnen werden. Modifizierte Kniebeugen oder Wandliegestütze, also Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, sind oft ein geeigneter Einstieg.

Ernährung: Protein als entscheidende Stellschraube

Krafttraining setzt den Reiz, aber ohne ausreichend Eiweiß kann der Körper nur eingeschränkt darauf antworten. Wer beides nicht zusammenbringt, verschenkt einen großen Teil des Effekts.

Im Kaloriendefizit wird das zur echten Herausforderung. Der Appetit sinkt, das Sättigungsgefühl setzt früher ein, manche Nahrungsmittel riechen plötzlich anders. Genau dann besteht die Gefahr, die verbliebenen Kalorien vor allem über kohlenhydratreiche Zwischenmahlzeiten zu decken statt über eiweißreiche Lebensmittel. Wer das vermeiden will, kommt an Quark, Eiern, Hülsenfrüchten oder magerem Fisch nicht vorbei. Magerquark ist dabei besonders praktisch: 100 Gramm liefern rund 12 Gramm Eiweiß, und der Fettanteil bleibt gering.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für gesunde Erwachsene einen Orientierungswert von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Wer aktiv abnimmt und gleichzeitig Krafttraining macht, hat laut Forschungslage einen deutlich höheren Bedarf, der häufig zwischen 1,2 und 1,6 Gramm pro Kilogramm liegt. Protein trägt zur Erhaltung von Muskelmasse bei, das ist die EFSA-Formulierung dazu, und sie gilt hier in besonderem Maß. Proteinpräparate als Nahrungsergänzung können in manchen Situationen helfen, die Versorgungslücke zu schließen, ersetzen aber keine vollwertige Ernährung. Bei Schwindel oder anderen Beschwerden in dieser Phase sollte ärztlicher Rat gesucht werden.

Besonderheiten bei GLP-1-gestützter Gewichtsreduktion

Semaglutid, vermarktet als Ozempic und Wegovy, sowie Tirzepatid, das als Mounjaro auf dem Markt ist, gehören zu den GLP-1-Rezeptoragonisten, die den Gewichtsverlust erheblich beschleunigen können. So schnell abzunehmen hat aber eine Kehrseite: Bei raschem Gewichtsverlust steigt das Risiko, neben Fett auch erheblich Muskelmasse zu verlieren.

Krafttraining und ausreichende Proteinversorgung gelten in der Forschung als wichtigste Gegenmaßnahmen. Klinisch ist das bedeutsam, denn nach dem Absetzen der Medikamente kann der Muskelabbau die Gewichtsstabilisierung erschweren. Mögliche Nebenwirkungen wie Übelkeit und verminderter Appetit machen eine ausreichende Proteinzufuhr in dieser Phase noch schwerer erreichbar. Magen-Darm-Beschwerden, darunter auch Magenschmerzen, gehören ebenfalls zu den bekannten Begleiterscheinungen. Das Beste, was Betroffene tun können, ist Krafttraining und Proteinzufuhr aktiv mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen, bevor Probleme entstehen. Schwindel und andere Beschwerden während der Therapie gehören in die ärztliche Praxis.

Gut zu wissen

Bei GLP-1-Therapien ist die reduzierte Nahrungsaufnahme gewollt. Dadurch kann es schwerfallen, auf 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich zu kommen. Proteinreiche Lebensmittel bei jeder Mahlzeit zu bevorzugen, ist in diesem Kontext besonders relevant. Ob zusätzlich eine Nahrungsergänzung mit Proteinpräparaten sinnvoll ist, sollte individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Wie oft und wie intensiv trainieren?

Zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche gelten laut konsistenter Studienlage als Mindestumfang, um Muskelmasse zu erhalten. Wer aufbauen will, braucht drei oder mehr Einheiten und eine entsprechend angepasste Proteinzufuhr.

Täglich trainieren ist weder nötig noch sinnvoll. Muskelgewebe erhält sich in der Erholungsphase nach dem Training, nicht während der Belastung selbst. Zwei konsequente Einheiten pro Woche über mehrere Monate schlagen in der Regel jede intensive Phase, auf die lange Pausen folgen. Wer Intervallfasten praktiziert, sollte die Trainingseinheiten vorzugsweise auf Tage mit Nahrungsaufnahme legen und auf ausreichende Proteinzufuhr rund um das Training achten. Ob das im eigenen Alltag praktikabel ist, hängt von Gesundheitszustand und Ernährungsgewohnheiten ab. Nahrungsergänzung kann dabei eine Rolle spielen, ist aber kein Ersatz für eine strukturierte Planung.

Wer schlanker werden will, sollte wissen, dass die Waage den Fortschritt oft nur unzureichend abbildet. Erste messbare Veränderungen an der Körperkomposition, also dem Verhältnis von Fett- zu Muskelmasse, zeigen sich typischerweise nach acht bis zwölf Wochen. Ein gleichbleibendes Gewicht bei sinkenden Körperfettmaßen ist ein Zeichen, dass die Strategie funktioniert.

Häufige Fragen

Ab wann sind erste Erfolge durch Krafttraining beim Abnehmen zu erwarten?

Das hängt von Ausgangszustand, Trainingsfrequenz und Ernährung ab. Stoffwechselveränderungen beginnen bereits in den ersten Wochen. Sichtbare Veränderungen an der Körperkomposition zeigen sich in der Regel nach acht bis zwölf Wochen regelmäßigen Trainings. Die Waage allein ist dabei kein zuverlässiger Maßstab, da Muskelmasse schwerer ist als Fettgewebe.

Wie oft sollte Krafttraining beim Abnehmen durchgeführt werden?

Aktuelle Empfehlungen sprechen von zwei bis drei Einheiten pro Woche, die alle großen Muskelgruppen einbeziehen. Täglich Krafttraining zu absolvieren ist für die meisten nicht sinnvoll, da Muskelgewebe Regenerationszeit benötigt. Ein effektives Training ohne ausreichende Erholung kann über Wochen den gegenteiligen Effekt haben.

Wie viel Krafttraining ist sinnvoll, um beim Abnehmen Muskeln zu erhalten?

Zwei Einheiten pro Woche mit jeweils zwei bis drei Sätzen pro Muskelgruppe gelten als Mindestumfang, um Muskelmasse zu erhalten. Wer Muskeln aufbauen möchte, benötigt einen höheren Trainingsumfang und eine angepasste Proteinzufuhr. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt kann individuelle Grenzen, zum Beispiel bei Gelenkproblemen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschätzen. Wie viele Einheiten pro Woche realistisch sind, lässt sich dort ebenfalls besprechen.

Kann man auch ohne Krafttraining beim Abnehmen Muskeln erhalten?

Ein Kaloriendefizit führt ohne Gegensteuern fast immer zu einem gewissen Muskelverlust. Ausreichend Protein und moderate Ausdauerbelastung können diesen Verlust begrenzen, ersetzen mechanische Reize durch Krafttraining jedoch nicht vollständig. Studien deuten darauf hin, dass die Kombination aus Krafttraining und erhöhter Proteinzufuhr den Muskelerhalt am wirksamsten unterstützt.

Ist Krafttraining auch bei starkem Übergewicht geeignet?

Krafttraining ist grundsätzlich auch bei Übergewicht möglich und sinnvoll. Wichtig ist eine schrittweise Belastungssteigerung und die ärztliche Abklärung von Risikofaktoren wie Gelenkbelastung oder Bluthochdruck. Gerätegestütztes Training oder Übungen mit dem eigenen Körpergewicht sind häufig ein guter Einstieg.

Fazit

Muskelerhalt beim Abnehmen ist keine Selbstverständlichkeit. Er erfordert zwei Dinge: einen mechanischen Reiz durch regelmäßiges Krafttraining und eine ausreichende Proteinzufuhr. Beides zusammen reduziert den Muskelverlust bei einem Kaloriendefizit deutlich, ersetzt aber keine ärztliche Begleitung, besonders wenn eine medikamentöse Therapie Teil der Gewichtsreduktion ist. Veränderungen an Training oder Ernährung sollten stets mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Quellen

  1. Cava E, Yeat NC, Mittendorfer B: Preserving Healthy Muscle during Weight Loss. Advances in Nutrition 2017 (PubMed)
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Protein
  3. Lopez P et al.: Resistance training effectiveness on body composition and body weight outcomes in individuals with overweight and obesity across the lifespan. Obesity Reviews 2022 (PubMed)
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte besprich Änderungen deiner Therapie oder Ernährung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Über die Redaktion

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